Lebe dein Begehren

Der Satz des französischen Psychoanalytikers Jacques Lacan (1901 – 1981) hatte für mich immer einen besonderen Reiz. Er ruft dazu auf, sein ureigenes Leben zu entwickeln, sicherlich im Einklang und in Rücksicht auf andere, aber doch unbeirrt, mit Kraft und forschend.

Auch hier wählte ich Persönlichkeiten aus, die eine derartige Entwicklung vollzogen haben und die in dieser Grundstruktur durchaus Leitlinien zeigen.

Bei der Gestaltung der Bilder kamen mir sofort die Arbeitsgeräte in den Sinn, die ich seit Jahren in meinem Atelier gesammelt hatte. Heugabeln, Schaufeln, Rechen, Laubbesen, Spitzhacken und ähnliches, fast alle mittlerweile ohne Stiel und verrostet. Besonders die Gabeln zeigten Gebrauchsspuren einer langen Benutzung durch eine Person. So waren sie genau dort abgestoßen, wo derjenige sie immer und immer wieder über den Boden geführt und somit abgeschliffen hatte. In der Ausdauer, Intensität und Beharrlichkeit als metaphorische Begriffe sah ich den Zusammenhang zu den Frauen, die ich porträtieren wollte.

Als erstes fällte ich die Entscheidung, keine Fotografie mehr in ein Ölgemälde zu übersetzen, sondern direkt ein Foto zu nehmen und es als Fotokopie in das Bild zu setzen. Das Format des Gesamtbildes bestimmte das reale Fragment des Arbeitsgerätes, das ich als Assemblage aufbrachte. Der gemalte Stiel führte von der Assemblage bis zur Fotokopie des Gesichts. In der verbleibenden Fläche ließ ich mich von Elementen des Werkes oder der Biografie der Dargestellten leiten.

Der auffordernde Ton des Titels wird auch durch ein weiteres Bild der Reihe verfolgt, das hier nicht abgebildet werden konnte: Statt der Fotokopie ist ein Spiegel in das Bild eingebracht.

 

 

Hannah Arendt

Hannah ArendtHannah Arendt wurde am 14. Okober 1906 in Hannover geboren. Sie studierte Philosophie, Theologie und Griechisch unter anderem bei Heidegger, Bultmann und Jaspers, bei dem sie 1928 promovierte. 1933 emigrierte sie nach Paris, 1941 nach New York. Nach einer Tätigkeit als Lektorin und freie Schriftstellerin wurde sie 1963 Professorin für Politische Theorie in Chicago, ab 1967 an der New School for Social Research in New York. Weltweit berühmt wurde sie durch ihre Totalitarismusanalyse sowie ihr Werk „Eichmann in Jerusalem, Ein Bericht von der Banalität des Bösen“(1964).

Doch sie war auch eine Virtuosin des Gesprächs, leidenschaftliche Briefschreiberin, mit vielen Menschen in intensivem Kontakt, hitzig, gefühlstark, eine souveräne Denkerin von großem menschlichem Format.

Hannah Arendt starb am 4. Dezember 1975 in New York.

 

 

Simone de Beauvoir

Simone de BeauvoirSimone de Beauvoir, geboren am 9. Januar 1908 in Paris, war eine führende Repräsentantin des französischen Existentialismus in der Literatur. Schon in jungen Jahren bereiste sie Europa, Nordafrika und später Amerika. An der Sorbonne lernte sie Jean-Paul Sartre kennen, der ihr Lebensgefährte und geistiger Weggenosse wurde. Als Philosophin und Erzählerin stets bemüht, Ideen und gedankliche Prozesse darzustellen, blieb sie doch eine Künstlerin, die es vermied, die Personen ihrer Dramen und Romane als bloße Ideenträger zu benutzen. Simone de Beauvoir starb am 14. April 1986 in Paris.

 

 

Coco Chanel

Coco ChanelGabrielle „Coco“ Chanel, geboren 1883 in Saumur, Pays de la Loire, war eine international bekannte französische Modedesignerin und Unternehmerin.
Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, im Waisenhaus groß geworden, lernte sie den Beruf der Näherin und arbeitete zunächst in einem Aussteuer- und Wäschegeschäft. Durch Auftritte im Grand Cafe in Moulin lernte sie den Industriellensohn Etienne Balsan kennen, der sie in die Pariser Gesellschaft einführte. Mit seiner finanziellen Unterstützung eröffnete sie 1909 ein Hutatelier. Schon 1913 folgte eine Modeboutique namens Chanel Modes. Von da an wurde Coco Chanel Repräsentantin einer bis dahin nie gekannten Karriere in der Mode. Sie starb am 10. Januar 1971 in Paris.

 

 

Simone Veil

Simone VeilSimone Veil wurde 1927 in Nizza geboren. Sie überlebte Ausschwitz, die Todesmärsche und Bergen-Belsen, während ihr Bruder, ihr Vater und ihre Mutter getötet wurden. Sie war in Paris Ministerin für Gesundheit, Familie und Soziales. Von 1979 bis 1982 war sie Präsidentin des Europäischen Parlaments. Für ihr Engagement für die europäische Einigung wurde sie mit dem Karlspreis ausgezeichnet. Seit 2008 ist sie Mitglied der Académie francaise.

 

 

Susan Sontag

Susan SontagSusan Sontag galt mit ihrer markanten Erscheinung als erste öffentliche Intellektuelle Amerikas. Sie machte sich neben ihren Essays, mit denen sie früh zu einer bedeutenden Stimme in den kulturtheoretischen Debatten ihrer Zeit wurde, als Filmemacherin, Theaterregisseurin, Dramatikerin und Romanautorin weltweit einen Namen. Dabei zeichnete sie sich vor allem durch ihre Offenheit für die Popkultur aus und analysierte etwa die Songs der Supremes mit demselben theoretischen Handwerkszeug – und demselben Enthusiasmus – wie Friedrich Nietzsche. Sie zeichnet das Bild einer widersprüchlichen und glamourösen Frau, deren Leben die kulturellen und medialen Umbrüche des 20. Jahrhunderts spiegelt.
Susan Sontag starb am 28. Dezember 2004 in New York.

 

 

Ingeborg Bachmann

Ingeborg BachmannIngeborg Bachmann wurde am 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren. Die „Anrufung des großen Bären“ sowie ihr erster Gedichtband „Die gestundete Zeit“ bilden den Kern ihres lyrischen Werkes. Die Gedichte stammen aus den Jahren 1945 bis 1956 und wurden 1956 erstmals in Buchform veröffentlicht. Seit 1952 Mitglied der Gruppe 47, stieg die österreichische Lyrikerin jung zur literarischen Größe auf. Sie erhielt zahlreiche Preise. Ihr Leben in Rom, Zürich und Berlin dagegen schien vom Unglück gezeichnet.
Ingeborg Bachmann starb am 17. Oktober 1973 in Rom.